Eines Tages, es war kurz vor Ostern, wurde Rangeet krank. - Nichts ernstes, aber nach einer Woche Fehlens auf ihrer Arbeitsstätte vermisste ihr Boss sie. Natürlich hatte er ihre Krankmeldung erhalten und keinen besonderen Grund, bei ihr zu Hause aufzutauchen. Er misstraute ihr nicht; aber er wollte sie sehen und wissen, wie es ihr ging. Rangeet und ihre Mutter waren alleine zu Haus und hielten sich an das ungeschriebene Gesetz der Sikh-Gesellschaft, niemanden ins Haus zu lassen, wenn der Hausherr nicht zugegen war. Kurz gesagt; die Tür blieb zu! Rangeet´s Boss hatte die Frauen aber am Fenster gesehen und wusste daher, dass sie daheim waren. Nachdem er nochmal Sturm geklingelt hatte und niemand ihm öffnete, verwandelte sich sein Wohlwollen in blanken Hass. - Was bildeten sich die Frauen ein? Nachdem Ranjeet wieder gesund war, setzten die Hass-Attacken gegen sie ein. Rangeet war hart im Nehmen, aber boshafte Unterstellungen und sexuelle Belästigungen waren selbst ihr zuviel. Sie beschwerte sich bei ihrem Vater. Der rief ein paar seiner Verwandten zusammen, zogen zum Haus des Vorgesetzten seiner Tochter und verprügelten ihn erstmal ordentlich. Dann organisierte er Rangeet´s Unterkunft bei einem Verwandten in Deutschland mit dem Ziel, sie schnellstmöglich zu verheiraten. Natürlich hatte die Prügelei ein gerichtliches Nachspiel und natürlich forderte Rangeet´s Boss Schmerzensgeld. Den Ausbildungsvertrag betrachtete er als hinfällig. Nach diesem Ärgernis wollte er Rangeet nicht mehr sehen. Dilbagh Singh war´s egal. Der Ruf seiner Tochter war ihm wichtiger als die Schmerzensgeld-Zahlung. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich dieses Erlebnis in der Sikh-Gemeinde und viele Andere nahmen ihre Töchter ebenfalls aus Berufen, wo sie mit Weißen verkehren mussten und ließen sie entweder in rein-indischen Betrieben arbeiten, oder in rein-weiblichen Berufen mit weiblichen Führungspersonen. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde Rangeet nach Niedersachsen geschafft. Sie sprach kein Wort Deutsch; nur Englisch und Punjabi. Nun wurden Fotos von ihr gemacht und diese in der weitläufigen Bekanntschaft herumgereicht mit dem Ziel, einen Bräutigam für sie zu finden. Da es in Deutschland nicht viele Sikh-Familien gab, dauerte die Suche einige Monate, bis sich ein passender Mann für Rangeet gefunden hatte. Aber dann ging alles ganz schnell. Verlobung, Aufgebot und Hochzeit fanden innerhalb von wenigen Wochen statt. Rangeet weinte, weil sie kaum jemanden aus der Hochzeitsgesellschaft kannte und weil sie sich ausgestoßen und einsam vorkam. Dabei hatte ihr Leben doch gerade erst angefangen! Sie hatte doch so viele Pläne gahabt...... Fortsetzung folgt....... |






